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Lehm

Der Baustoff, aus dem ein Drittel der Menschheit wohnt — ungebrannt, wiederverwendbar, überall.

Was Lehm ist

Lehm ist ein natürliches Gemisch aus Ton (dem Bindemittel), Schluff und Sand, oft mit Kies. Der Ton bindet rein physikalisch: Seine Plättchen quellen mit Wasser, kleben beim Trocknen zusammen und lösen sich beim nächsten Wasser wieder — deshalb ist Lehm unbegrenzt wiederverwendbar, aber auch nicht wasserfest. Kein Brennen, keine Chemie; die Festigkeit kommt aus Verdichtung und der richtigen Kornmischung.

Zu fetter Lehm (viel Ton) reißt beim Trocknen, zu magerer (viel Sand) bröselt. Deshalb wird Baulehm gemagert — mit Sand, Kies, Stroh, Spreu, Hackschnitzeln — bis die Schwindrisse ausbleiben. Jede Grube ist anders; die Prüfung vor Ort (Kugelfall-, Schwind- und Fingerprobe) gehört zum Handwerk.

Bauweisen

  • Stampflehm (pisé, tapial, tapia, hāngtǔ): erdfeuchter Lehm lagenweise in Schalung gestampft — Alhambra, Fujian-Tulou, Bhutan, Margaret River.
  • Lehmziegel (Adobe, tubali, Nilschlamm): geformt und sonnengetrocknet, mit demselben Lehm vermauert — der verbreitetste Erdbaustoff der Welt.
  • Cob / Wellerlehm: Lehm mit viel Stroh, frei ohne Schalung aufgeschichtet — Devon, Canterbury, Jemen (zabur), Ghana (atakpamé).
  • Flechtwerk mit Lehmbewurf (wattle and daub, quincha, bahareque, pau a pique, chika, bousillage): leichtes Gerüst, beidseitig beworfen — erdbebenelastisch.
  • Leichtlehm: Lehmschlämme über Stroh oder Hackschnitzel, Rohdichte 300–1200 kg/m³ — dämmend, für Ausfachung und Innendämmung (Lehmbau Regeln).
  • Lehmputz und Lehmfarbe: mehrlagig, mit Fasern, oft wasserabweisend gemacht durch Dung, Pflanzenabsud (Néré), Sheabutter, Öl oder Kalkzusatz.

Verarbeitung — was immer gilt

  • Lehm braucht „einen guten Hut und gute Stiefel“: großen Dachüberstand und Sockel aus Stein oder Kalk gegen Spritz- und Bodenfeuchte.
  • Fasern (Stroh, Spreu, Tierhaar) armieren gegen Schwindrisse; Dung und Pflanzenschleim glätten und dichten — weltweit belegt, nirgends normiert.
  • Kalk- oder Zementstabilisierung macht wasserfester, aber nimmt die Wiederverwendbarkeit und kann bei Dauernässe umschlagen.
  • Lehm reguliert Feuchte und speichert Wärme — der Grund für das gute Raumklima in Hochland und Wüste.
  • In Deutschland gelten die Lehmbau Regeln des Dachverbands Lehm als anerkannte Regel der Technik; Lehmputz, -mauermörtel und -steine sind genormt (DIN 18945–18948).

Formen & Stoffe

Grundsätze

    Rezepte im Archiv

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      Quellen

      1. Dachverband Lehm e.V.: Lehmbau Regeln, 3. Aufl. 2009 — earthbuilding.info
      2. Minke, G.: Handbuch Lehmbau, ökobuch 2017
      3. Fathy, H.: Architecture for the Poor, University of Chicago Press 1973
      4. Devon Earth Building Association: Cob Dwellings — PDF; SPAB: Unbaked earth walling — spab.org.uk
      5. National Park Service: Preservation Brief 5 — Adobe — PDF
      6. Rumsey, C., Drohan, P.: Mortar selection at Mesa Verde, Geoarchaeology 2011; Gamrani, N. et al.: Rammed earth at Chichaoua, Env. Earth Sci. 2012
      Rezepte ohne Gewähr.