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Gips

Schnell, fein, formbar — der Stoff der Stuckateure, und der Mörtel der Pyramiden.

Was Gips ist

Gipsstein ist Calciumsulfat mit zwei Molekülen Kristallwasser. Bei nur 120–180 °C gibt er anderthalb davon ab und wird zu Stuckgips (Halbhydrat); mit Wasser angerührt nimmt er das Kristallwasser zurück und erstarrt in Minuten zu einem Filz aus Gipsnadeln. Die niedrige Brenntemperatur erklärt, warum brennstoffarme Kulturen — Altägypten, Persien, der Golf, die Sahara-Oasen — mit Gips statt Kalk bauten.

CaSO₄·2H₂O → CaSO₄·½H₂O + 1½ H₂O → CaSO₄·2H₂O

Höher gebrannt (über 300 °C) entsteht Anhydrit, der langsam und hart abbindet — der Estrichgips des Harzes und Thüringens. Gips schwindet beim Abbinden nicht, sondern dehnt sich leicht: ideal zum Gießen und Modellieren.

Abbinden steuern

  • Gips ins Wasser streuen, nicht umgekehrt, und sumpfen lassen; nur so viel anmachen, wie in der Topfzeit verarbeitet wird — Reste nie aufrühren.
  • Verzögern: Kalkhydrat, Zellulose, Leimwasser, Weinsäure oder Zitronensäure verlängern die Topfzeit. Der Gips-Kalk-Putz des Rechners nutzt genau das.
  • „Getöteter“ Gips (gach-e koshteh, Persien 14. Jh.): während des Abbindens ständig gerührt, bildet er Plättchen statt Nadeln — dicht, benetzbar, direkt bemalbar (Mishmastnehi et al., PNAS 2023).
  • Leimwasser als Anmachwasser macht Gips schnitzbar und polierbar: Gachbori, Ganch, Scagliola.

Grenzen

Gips ist wasserlöslich (rund 2 g/l): Dauerfeuchte, Spritzwasser und aufsteigende Nässe weichen ihn auf, und im Kontakt mit Zement bilden sich treibende Minerale (Ettringit). Außenanwendung ist deshalb heute auf trockene Klimate und auf historische Befunde beschränkt — das WTA-Merkblatt 2-11 regelt die Verträglichkeit. Im trockenen Innenraum dagegen hält Gips Jahrhunderte: die Stuckdekore der Seldschuken, die Gipsböden des Harzes, die Scagliola der Barockkirchen.

Formen & Stoffe

Grundsätze

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      Quellen

      1. WTA-Merkblatt 2-11: Gipsmörtel im historischen Mauerwerksbau und an Fassaden, 2018 — Inhalt
      2. Auras, M., Zier, H.-W.: Gipsmörtel im historischen Mauerwerk und an den Fassaden, WTA-Schriftenreihe 30, 2008
      3. Mishmastnehi, M. et al.: Advanced materials engineering in historical gypsum plaster formulations, PNAS 2023 — Preprint
      4. Encyclopaedia Iranica: Gač-borī — iranicaonline.org
      5. Reller, A. et al.: Comparative studies of ancient mortars from Giza, MRS Proceedings — cambridge.org
      6. Liebing, K.: Deutsches Gipsmuseum Südharz — historischer Gipsbrand — PDF
      Rezepte ohne Gewähr.