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Kalk

Das älteste Bindemittel der Baugeschichte — gebrannt, gelöscht, karbonatisiert.

Der Kalkkreislauf

Kalkstein (Calciumcarbonat) wird bei rund 900 °C gebrannt und verliert dabei sein Kohlendioxid: Es entsteht Branntkalk (Calciumoxid). Mit Wasser gelöscht wird daraus Kalkhydrat oder — unter Wasser gelagert — Sumpfkalk (Calciumhydroxid). Am Bauteil nimmt der Kalk das Kohlendioxid aus der Luft wieder auf und wird zu Kalkstein zurück. Dieser Kreislauf ist der Grund, warum Kalkmörtel über Jahrhunderte „nachhärtet“ und warum er Luft braucht: in dicken Lagen oder unter dichten Anstrichen bindet er nicht ab.

CaCO₃ → CaO + CO₂ → Ca(OH)₂ → CaCO₃

Das Löschen ist stark exotherm und die gefährlichste Arbeit mit Kalk — siehe Kalk löschen. Beim Heißkalkmörtel findet das Löschen direkt im Sand statt; der frisch gelöschte Kalk ist feiner und klebriger, und das überlieferte Verhältnis „1 Kalk : 3 Sand“ meint Branntkalk — nach dem Löschen entspricht das etwa 1 : 1,5 (Lynch, Henry).

Luftkalk und hydraulischer Kalk

Luftkalk (CL 90, Sumpfkalk) härtet nur über die Luft — langsam, weich, diffusionsoffen, selbstheilend bei feinen Rissen. Hydraulischer Kalk (NHL 2, 3,5, 5) wird aus tonhaltigem Kalkstein gebrannt und erhärtet zusätzlich mit Wasser; Louis Vicat wies das 1818 nach und ebnete damit den Weg zum Zement. Romanzement (Parker 1796) ist der schnell abbindende Extremfall aus Mergelknollen. Dazwischen liegen die Puzzolane: Vulkanasche, Trass, Ziegelmehl oder Theraerde geben dem Luftkalk hydraulische Eigenschaften — so bauten Römer, Byzantiner (Horasan) und Jemeniten (Qadad) wasserfest.

Faustregel: je hydraulischer, desto fester und schneller, aber auch spröder und weniger diffusionsoffen. Für historisches Mauerwerk gilt: der Mörtel darf nie fester sein als der Stein.

Verarbeitung — was immer gilt

  • Untergrund vornässen, sonst „verbrennt“ der Kalk: das Wasser wird ihm entzogen, bevor er binden kann.
  • Langsam trocknen lassen, vor Sonne, Wind und Frost schützen; Putz mehrere Tage feucht halten.
  • Sumpfkalk gewinnt mit dem Alter — Monate bis Jahre unter Wasser machen ihn fetter und geschmeidiger.
  • Organische Zusätze sind weltweit belegt: Klebreis (China), Zucker (Indien, Thailand), Pflanzenschleim (Mexiko, Ostafrika), Talg und Leinöl (Britische Inseln) — sie verzögern, dichten und zähmen die Rissbildung.
  • Kalkfarbe: ganze Menge auf einmal anmischen, dünn und nass in nass, trocknet deutlich heller auf.

Formen & Stoffe

Grundsätze

    Sicherheit

    Rezepte im Archiv

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      Quellen

      1. Vitruv, De architectura II.5 und VII.1 — lexundria.com
      2. Vicat, L. J.: Recherches expérimentales sur les chaux de construction, Paris 1818 — archive.org
      3. Lynch, G.: The Myth in the Mix — buildingconservation.com; Henry, A.: Hot-mixed mortars, Historic England — PDF
      4. Copsey, N.: Hot Mixed Lime and Traditional Mortars, Crowood 2019
      5. Seymour, L. M., Masic, A. et al.: Hot Mixing — Roman Concrete, Science Advances 2023 — Zusammenfassung
      6. Al-Radi, S.: Qudâd — The Traditional Yemeni Plaster, Yemen Update 34, 1994
      Rezepte ohne Gewähr.